Buchrezension: Ins Nirgendwo, bitte! Zu Fuß durch die mongolische Wildnis

Von Zeit zu Zeit frage ich bei diversen Verlagen bezüglich Rezensionsexemplaren an. Wenngleich ich meine Auswahl sehr sorgfältig treffe, immer in der Hoffnung, ein gutes Buch zu erwischen, gibt es keine Sicherheit. Umso mehr freue ich mich, wenn ich einen guten Riecher hatte und ein exzellentes Buch lesen und rezensieren darf.

Achtung Spoiler:Ins Nirgendwo, bitte! Zu Fuß durch die mongolische Wildnis*“ ist wieder so ein Buch. Danke, dass ich es rezensieren durfte. Danke an den CONBOOK-Verlag, der es verlegt hat. Vor allem aber danke, Franziska Bär, für dieses großartige Buch!

In ihrem Buch Ins Nirgendwo, bitte! Zu Fuß durch die mongolische Wildnis* nimmt uns Franziska Bär mit auf ihre abenteuerliche Reise durch die Mongolei, das am dünnsten besiedelte Land der Welt. Beginnend bei den aufwändigen Vorbereitungen über die Erlebnisse vor Ort bis hin zur Rückkehr lässt sie den/die LeserIn jedoch nicht nur an ihrem Abenteuer teilhaben, sondern auch an ihren Zweifeln, Ängsten und Sorgen.

Gekonnt beschreibt sie, wie sie und ihr Freund Felix nur mit dem Notwendigsten ausgestattet losziehen. Ihr Rucksack wiegt 17 Kilogramm, seiner 23.

Sie berichtet unter anderem von ihren Begegnungen mit den Einheimischen, von Verständigungsschwierigkeiten (es spricht kaum jemand Englisch) und gibt Einblicke in ihre Beziehung mit Felix, die sich auch im Zuge der Reise verändert.

Franziska erzählt aber auch davon, dass beim Reisen nicht immer alles eitel Wonne ist. So müssen sie beispielsweise ein Mal spontan die Reiseroute ändern sowie zusätzliche Last (mehrere Liter Wasser) mit sich schleppen. Ein andermal werden sie nachts von einem heftigen Gewitter überrascht, das ihnen fast ihr Zelt wegreißt. Auch die Durchquerung eines kniehohen reißenden Flusses lässt sie an ihre Belastungsgrenzen kommen. All diese Erlebnisse werden so spannend und fesselnd erzählt, dass man fast das Gefühl hat, es live mitzuerleben. Franziska Bär verfügt über eine sehr genaue Beobachtungsgabe und weiß das Gesehene und Erlebte perfekt in Worte zu kleiden.

Das Buch handelt außerdem von kulturellen Unterschieden und zeigt anschaulich, dass Verständigung auch ohne gemeinsame Sprache möglich sein kann.

„Als wir schließlich alle auf dem Boden in der Jurte Platz genommen haben, kritzelte Bat-Thahan den Würfel mit Beinen und die Mistgabel in den Sand – und begreift jetzt, dass wir seine Sprache einfach nicht verstehen können. Nicht als gesprochene Wörter und auch nicht als Symbole in den Sand gezeichnet. Es ist das erste Mal, dass wir alle schallend lachen, und es scheint, als würde dieses Lachen eine Mauer zwischen uns und der Nomadenfamilie niederreißen.“ (S. 130)

Durch den reportageartigen und lebhaften Erzählstil hat man oft das Gefühl, dabei zu sein.

„Bat-Thahan drückt mir den kleinen, krummen Ast in die Hand. […] Ich will mit etwas Einfachem anfangen, mit etwas, das in jeder Sprache gleich ist und gleich aussieht. Zahlen. Wir malen unser Alter in den Sand. 22. 30. Ich zeige auf die 22, danach auf mich. Auf die 30, danach auf Felix. Jetzt versteht uns die ganze Familie, manche von ihnen lachen […]. Bat-Thahan nimmt das Stöckchen wieder und macht es uns nach. Er ist 46. Seine Frau 39. Nach und nach deutet er auf die einzelnen Familienmitglieder und malt jedes einzelne Alter in den Sand.“ (S. 131)

Bewundernswert ist jedoch nicht nur die physische und mentale Leistung, die dieses Abenteuer erfordert, sondern auch die minimalistische Ausstattung und Lebensweise.

„Unsere Rationen bestanden aus einem Kalorienriegel in der Mittagspause und einem Abendessen, das vor allem den Appetit angeregt hat – und dann auch schon wieder alle war. […] Wer sich jetzt fragt, womit wir Reis und Spaghetti gemischt haben: mit nichts, außer das eine Mal, als wir von Nomaden Käse bekommen haben. (S. 279f)

Nach der Lektüre habe ich viele Bilder von der Mongolei und den Menschen dort im Kopf, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Das Buch ist berührend, spannend, fesselnd, inspirierend und hat mich sehr bewegt.

Franziska Bär schreibt zu Beginn: „Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, alle Werte der Mongolen zu wahren“. Das kann ich zwar nicht beurteilen, aber ich kann versichern, dass es der Autorin gelungen ist, alle ihre Begegnungen mit den Mongolen sehr einfühlsam und respektvoll zu beschreiben.

Ich hoffe, dass wir künftig noch viel von ihr zu lesen bekommen.

Für wen ist das Buch geeignet?

Für alle, die sich für Reiselektüre, fürs Reisen, für andere Länder und Kulturen, für Abenteuerberichte sowie für persönliche Erlebnisberichte interessieren.

Fazit

Das Buch ist fesselnd. Das Buch ist spannend. Das Buch ist inspirierend. Und zwar von der ersten bis zur letzten Seite. Von mir gibt es daher eine ganz klare und uneingeschränkte Leseempfehlung! Es ist eines der besten Bücher zum Thema Reisen, das ich bisher gelesen habe!

Bewertung

📘📘📘📘📘
5 von 5 möglichen Buchcovern

Infos zum Buch

Verlag: COONBOOK
1. Auflage: April 2019
ISBN 978-3-95889-179-1
Preis: 14,95 €

Leseprobe & Bestellung

Hier geht’s zur Leseprobe. Die Rezension und Leseprobe haben dich überzeugt? Dann kannst du hier das Buch bestellen*.

Über die Autorin

Franziska Bär wurde 1993 in Weilheim (D) geboren und hat als freie Redakteurin unter anderem für den Münchner Merkur geschrieben. Mit ihrer Kurzgeschichte Gekritzel im Sand gegen die große Einsamkeit gewann sie den Autorenwettbewerb des Reiseblogs The Travel Episodes.


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Offenlegung und Transparenz: Das Rezensionsexemplar wurde mir vom CONBOOK-Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.


verlinkt mit Soulsister meets friends 

 

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