Ausflugstipp: Burg Kreuzenstein

Die Burg Kreuzenstein liegt vor den Toren Wiens und dennoch schaffe ich es nach knapp 9 Jahren nun zum ersten Mal hierher.

Da wir nicht gleich hinfinden (man sieht die Burg zwar bereits von Weitem, aber es fehlt jegliche Beschilderung!), verpassen wir die geplante Führung um 15 Uhr. Die Pforten sind geschlossen, als wir ankommen. Die Burg ist nämlich ausschließlich in Form einer Führung zum stolzen Preis von 10 Euro zugänglich.

Um uns die Wartezeit zu vertreiben, setzen wir uns in die gegenüberliegende Burgtaverne. Mein Mann überlegt, einen „Tod durch Schokolade“ zu bestellen, der Warnhinweis „Achtung, wir nennen ihn nicht umsonst so“ schreckt ihn dann aber doch ab und er entscheidet sich für einen, wie sich herausstellt, äußerst köstlichen Schoko-Kokos-Kuchen. Die Getränke werden in Trinkgefäßen aus Ton serviert. Als Einstimmung sehr passend.

Trinkgefäße aus Ton.jpg

Ich nutze die verbleibende Zeit, um ein Foto von der Burg zu machen (ich traue dem Wetter heute nicht, kommt bestimmt noch ein Unwetter).

Burg Kreuzenstein_Leobendorf.jpg

Dann endlich, um kurz vor 16 Uhr, werden die Pforten geöffnet.

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Sehr zu unserer Überraschung treffen wir hier auf viele Auslandstouristen. Die Burg scheint wohl eher im Aus- als im Inland beworben zu werden, denn in Österreich reicht der Bekanntheitsgrad kaum über die Bundeslandgrenze hinaus. Die Führung selbst ist auf Deutsch, es werden allerdings laminierte Infoblätter in verschiedenen Sprachen angeboten, darunter Englisch, Französisch und Russisch.

„Das Fotografieren ist nur draußen erlaubt“, teilt uns unser Tourguide gleich zu Beginn mit. Na das fängt ja schon mal gut an. Im Eilestempo führt sie uns durch den Hof: ein venezianischer Brunnen hier, ein Nürnberger Fachwerkhaus da. Ich muss mich entscheiden, ob ich ihr zuhören oder fotografieren will.

Auf dem Bergfried (den ich in der Hektik leider vergessen habe zu fotografieren) steht „Wer rastet, der rostet“ geschrieben. Dieses Sprichwort nimmt unser Tourguide wörtlich und jagt uns in einem fluchtartigen Tempo durch die Burg. Ihrem Sprechtempo nach zu urteilen will sie die Führung möglichst schnell hinter sich bringen. Aber ein paar Details bleiben dann in meinen Synapsen doch hängen. 🙂

Geschichtlicher Hintergrund

Die Burg Kreuzenstein wurde gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges von den Schweden zerstört. 1874 fasste Graf Johann Nepomuk Wilczek den Plan zum Wiederaufbau der Burg. Wilczek war ein Polarforscher, Kunstmäzen, Kunstsammler, Philantrop und eine äußerst prominente Persönlichkeit der k.u.k. Monarchie.

In 50 Minuten durch die Burg

Der Rundgang beginnt in der Burgküche. Diese befindet sich unterirdisch, da in den kühlen Kellergemächern Vorräte besser gelagert werden konnten. Den Mittelpunkt der Burgküche bildet ein 7,5 Meter langer Tisch aus Eichenholz. Doch wie kam dieser bloß hierher? Die Fenster zu klein, der Eingang zu schmal. Hmm. Gott sei Dank lüftet unser Tourguide das gestellte Rätsel kurz darauf. Der Tisch wurde hineingehievt, ehe das Gewölbe zugemauert wurde. Wieder ein Beispiel dafür, dass wir viel zu kompliziert denken.

Zu den hier ausgestellten Küchenutensilien zählen unter anderem Brot- und Waffeleisen mit kunstvollen Verzierungen, zahlreiche Wandteller, Tonkrüge und ein Brotbackofen.

Hier erfahren wir beispielsweise, woher die Redewendung „den Löffel abgeben“ stammt. Im Mittelalter hatte jeder seinen eigenen Löffel. Wenn man starb, wurde dieser vererbt – und somit abgegeben. Daher stammt die uns heute bekannte Bedeutung „sterben“ für „den Löffel abgeben“.

Weiter geht es zur Waffenkammer. Da wir dabei den Platz überqueren, nutze ich die Gelegenheit für ein paar Schnappschüsse.

Die Rüstkammer

In der Rüstkammer befindet sich die größte österreichische Waffensammlung in Privatbesitz.

Wir schreiten durch eine von Hellebarden gesäumte Allee und erfahren dabei, bei welchen Instrumenten ein Stoß tödlich endete und bei welchen noch eine Rettung möglich war. Am Ende des Raumes können wir verschiedene Ritterausrüstungen, für Erwachsene und Kinder, bestaunen und erfahren, dass eine Ritterrüstung zwischen 50 und 60 Kilogramm wiegt. Zählt man Ritterhemd und Bekleidung noch hinzu, kommt man insgesamt auf gut 80 kg. Viele Ritter starben nicht nur im Kampf, sondern auch an Dehydrierung oder Unterernährung.

Auch die Redensart „auf großem Fuß leben“ geht übrigens auf das Mittelalter zurück. Der soziale Rang einer Person war an der Schuhlänge zu erkennen. Während der durchschnittliche Bürger Schuhe trug, die der Größe seines Fußes entsprachen, war das Schuhwerk eines Ritters um die Hälfte länger.

Auf den Hund gekommen

In jedem Schlafzimmer stand eine Geldschatulle. Je weniger Geld sich in der Schatulle befand, desto sichtbarer war das am Boden der Schatulle befindliche Emblem eines Hundes. Daher stammt die Redewendung „auf den Hund kommen“. Hatte man alles ausgegeben, war man „unterm Hund“.

Wusstet ihr beispielsweise, warum die Betten im Mittelalter so klein waren? Nein, nicht etwa, weil die Menschen so viel kleiner waren als heute (sie waren durchschnittlich nur wenige Zentimeter kleiner als heute), sondern weil sie im Sitzen schliefen.

Zu einer weiteren Besonderheit des Fürstenzimmers zählt die am Ende des baldachingekrönten Himmelbetts befindliche Traumtafel, auf der nach dem Aufwachen die Träume notiert wurden.

Weiter geht’s ins Jagdzimmer.

Natürlich gibt es Einhörner!

In der Jagdkammer fragt uns die Führerin doch tatsächlich, ob Einhörner existieren. „Natürlich!“, schreie ich. Okay, würde ich gerne schreien. Ich trau mich dann doch nicht. Anlass gibt ein ausgestelltes Horn eines Einhorns. Laut Ungläubigen ein Jagdsouvenir eines Narwals von der Polarfahrt von Graf Johann Nepomuk Wilczek. 😉

Trivia zum Schluss

Die Burg diente bereits als Filmkulisse in über 100 Filmen, darunter „Der letzte Tempelritter“ mit Nicolas Cage und „Die drei Musketiere“ mit Charlie Sheen.

Fazit

Gelegenheit macht Diebe. Wer die Burg besichtigen will, kommt um eine kostenpflichtige Führung nicht umhin. Diese aber lohnt sich trotz anfangs erwähnter Widrigkeiten. Man erfährt wirklich viele Details und die Burg ist sehr eindrücklich gestaltet.

5 Kommentare zu „Ausflugstipp: Burg Kreuzenstein

  1. Liebe Julie,
    ich wusste von so einer Burg so Nah an Wien bisher überhaupt nichts! Vielen Dank für den Tipp! Ich bin immer wieder auf der Suche nach schönen Ausflugszielen in der Nähe. Und als Historikerin faszinieren mich Burgen und Schlösser natürlich besonders! Bin Mal gespannt ob man die Anreise auch mit den Öffis bewältigen kann. Vielleicht in Kombination mit einer kleinen Wanderung?
    Alles Liebe,
    Mira

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Mira!
      Vielen lieben Dank für dein Feedback! Das freut mich sehr! 🙂 Jaa, man kommt auch öffentlich hin. Laut Homepage sind es von der Station Leobendorf-Kreuzenstein noch 40 Minuten zu Fuß: http://www.kreuzenstein.com/lage-and-anreise/
      Ich bin auch immer auf der Suche nach schönen Ausflugszielen in der Umgebung. Es folgen in Zukunft daher noch viele weitere Ausflugstipps. 😉
      Liebe Grüße
      Julie

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