Wie ich trotz Absturzangst die Welt bereise

Ich habe Flugangst, also genau genommen Absturzangst. Flugangst ist der falsche Begriff. Ich habe schließlich nicht Angst vorm Fliegen, nicht Angst davor, über den Wolken zu schweben, sondern davor, am Boden zu zerschellen.

Wie ich trotz meiner Absturzangst rund 60 Flüge überstanden habe, verrate ich dir im folgenden Beitrag. 

Eines noch vorweg: Ich habe meine Absturzangst – leider – immer noch nicht so weit im Griff, dass ich mich über Langstreckenflüge drübertrauen würde, aber ich blicke bereits auf viele kleine Fortschritte zurück. Hier daher meine Erfahrungen und Tipps:

1. Lass die Vorfreude überwiegen.

Beim Buchen und auch vor der Abreise versuche ich, mich nur auf den Urlaub/Zielort und nicht auf die An- und Abreise zu konzentrieren, sodass ich unbekümmert meiner Vorfreude frönen kann. Meistens gelingt es mir fast hundertprozentig und somit setzt meine Panik erst am Flughafen, mittlerweile manchmal sogar erst beim Starten, ein – und nicht bereits Wochen vor dem Abflug.

2. Lass die Abenteuerlust größer als die Angst sein.

Wer die Welt bereisen will, kommt ums Flugzeug nicht herum. Nicht nur hier gilt: Lass dich von deinen Ängsten nicht zu sehr einschränken, sondern versuche sie so gut es geht zu überwinden.

3. Die Wahrscheinlichkeit, abzustürzen, ist immer gleich hoch.

Wenn ich früher mehr als ein Mal im Jahr geflogen bin, war ich sehr beunruhigt, da ich glaubte, dass mit der steigenden Anzahl an Flügen pro Jahr auch die Wahrscheinlichkeit zu sterben (also abzustürzen) steige. Ich saß allerdings einem Denkfehler auf. Die Wahrscheinlich, abzustürzen, ist immer gleich groß, egal wie oft du pro Jahr fliegst. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem Flugzeug abzustürzen, liegt übrigens bei ca. 0,00000007 Prozent. Also wirklich sehr gering. (Im Vergleich dazu: Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an Krebs zu erkranken, beträgt ca. 43 Prozent für Frauen und 51 Prozent für Männer).

4. In Begleitung fliegen

Am schlimmsten ist meine Flugangst, wenn ich „alleine“ fliege (also ohne Familie, Freunde, Partner etc.). Die Vorstellung, „alleine“ zu sterben, ist die schlimmste. Sobald neben mir meine Mama, mein Mann oder eine Freundin sitzt, ertrage ich den Flug leichter. Ich finde den Gedanken, im Fall des Falles gemeinsam zu sterben, tröstend.

5. Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel.

Leider hilft mir der Satz „Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel“ genau gar nichts. Ich sage ihn mir zwar dennoch immer wieder vor, aber er entfaltet einfach keinerlei Wirkung. Fakt ist, dass ich mich im Auto viel sicherer fühle. Ich weiß, dass das paradox ist, aber es ist eben so.

6. Ablenkung hilft! Mir nicht.

Ablenkung hilft bestimmt, allerdings gelingt sie mir leider nur schwer. Meist kann ich mich einfach nicht auf meine Lektüre oder irgendetwas anderes konzentrieren (von abschalten oder gar schlafen ganz zu schweigen). Meine Gedanken kreisen immerzu um einen etwaigen Absturz. Leider fühle ich auch jede noch so kleine Erschütterung, die ich natürlich sofort mit einem Absturz assoziiere.

Falls also jemand Ablenkungstipps für mich hat, würde ich mich besonders freuen. 🙂

7. Turbulenzen sind harmlos – oder?

Bei schweren Turbulenzen (bisher ein Mal erlebt) läuft vor meinem inneren Auge ein Horrorfilm ab. Jede Turbulenz assoziiere ich unweigerlich sofort mit einem Absturz. Seitdem mir eine Freundin, die Stewardess ist (dafür bewundere ich sie sehr!), gesagt hat, dass man bei Turbulenzen keine Angst zu haben braucht und dass ein Flugzeug viel mehr aushält, denke ich immer daran. Manchmal hilft es … ein bisschen zumindest. Schlechte Nachrichten wie diese hier vom Absturz in Myanmar machen allerdings meine Mantrenerfolge wieder zunichte.

8. Vorne sitzen

Beim Check-in achte ich immer darauf, mir einen Sitzplatz in den vorderen Reihen zu sichern, da es dort ruhiger ist als hinten. (Bei einem Absturz ist allerdings die Überlebenschance im hinteren Teil größer.) Am liebsten sitze ich am Fenster. 🙂 Bei der Sitzplatznummer bin ich nicht abergläubisch, wenngleich ich noch nie auf Platz 13 gesessen bin (aber viele Flugzeuge bieten diesen Platz ja auch gar nicht an).

9. Alkohol nein, Baldrian ja

Ein Gläschen zur Beruhigung? Ich habe es, ehrlich gesagt, noch nie probiert, halte es aber für wenig sinnvoll. Anstatt sich der Angst zu stellen und sie so zu reduzieren, würde man sich nur benebeln. Und zumindest für Vielflieger wäre der Alkoholkonsum dann wohl auch bedenklich. Des Weiteren kann illuminierten Personen der Zutritt an Bord versagt werden. Homöopathische oder pflanzliche Mittel wie Baldrian hingegen kann ich zur Nervenberuhigung empfehlen.  

und zum Abschluss meine drei Mantren, die mich auf jedem Flug begleiten:

  1. Sollte ich jetzt abstürzen, kann ich rein gar nichts dagegen tun. Es ist daher nicht sinnvoll, sich Sorgen darüber zu machen.
  2. Es gibt Menschen, die fliegen mehrmals im Monat und leben noch.
  3. Je nachdem, ob ich alleine (in meiner Definition siehe oben) fliege oder in Begleitung: Immerhin sterbe ich nicht alleine.

Du leidest auch unter Flugangst? Was hilft dir, diese zu überwinden? Natürlich sind auch andere Kommentare willkommen. Ich freue mich über jede Nachricht! 

2 Kommentare zu „Wie ich trotz Absturzangst die Welt bereise

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