Kurztrip nach Düsseldorf oder Literaturübersetzen für Anfänger

Es gab eine Zeit, da wollte ich Literaturübersetzerin werden. Ich habe es nicht direkt bereut, es nicht studiert zu haben (es wurde damals in Wien nicht in der Form angeboten, in der ich es hätte machen wollen), aber es ließ mich nie ganz los.

Kurz nach meinem Studienabschluss (in Germanistik) bin ich dann auf die Summer School für Literaturübersetzen gestoßen und habe mich kurzerhand angemeldet. Die Teilnahme an der Summer School selbst ist zwar kostenfrei, da diese aber in Düsseldorf stattfindet und ich somit einen Flug und ein Hotel brauchte, war es für mich nicht ganz kostenlos.

Genächtigt habe ich im Residenz Hotel Eurostar, das für meinen Kurztrip absolut ausreichend war. Es liegt zwar nicht im Stadtzentrum, ist aber öffentlich gut erreichbar und man ist rasch in der Innenstadt.

Als ich meinem Mann von meinem Vorhaben erzählte, stellte er sofort die Frage, warum Düsseldorf eigentlich Düsseldorf heiße. Ich zuckte mit den Schultern und sagte: „Keine Ahnung“. Daraufhin meinte er, dass dort sicher die Düssel fließe. Ich googelte und antwortete: „Nein, der Rhein.“

Jedenfalls bin ich dann nach Düsseldorf geflogen und traute meinen Augen nicht, als ich dort tatsächlich folgendes Schild vorfand:

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Die Düssel ist ein rund 40 Kilometer langer Nebenfluss des Rheins (wobei es Bächlein wohl eher treffen würde). Und so sieht sie aus, die Düssel:

die-dc3bcssel-in-dc3bcsseldorf.jpg

Da ich einen Morgenflug genommen hatte und die Summer School erst um 17:00 Uhr losging, hatte ich genug Zeit, die Stadt zu erkunden. Ich hatte keine Vorstellung von Düsseldorf und kannte bisher nur ihren berühmtesten Sohn: Heinrich Heine. Dieser begegnet einem auch sofort in der Altstadt, wo ich meinen Stadtrundgang begann.

Heine Haus in Düsseldorf

Heine-Haus in Düsseldorf

Durch die Altstadt durch (wo es übrigens sehr viele spanische Lokale gibt) gelang ich zum Rathaus.

Rathaus in Düsseldorf
Das Rathaus

Was hier wohl aufgebaut wird?

Anschließend ging ich noch ein paar Meter weiter bis zum Rheinufer, wo ich folgendes Bild vorfand:

la-tour-eiffel-en-miniature-in-dc3bcsseldorf.jpg

Da stand doch tatsächlich ein Miniatur-Eiffelturm! Und es kam noch besser: Ich war zufällig genau zum Frankreichfest in Düsseldorf. Passender geht’s doch nicht, oder? 🙂

Das Frankreichfest in Düsseldorf 2016

Anschließend habe ich mich Richtung Heinrich-Heine-Museum, das genau genommen Heinrich-Heine-Institut heißt, aufgemacht. Bereits auf dem Weg begegnet mir der deutsche Dichter abermals:

Zitat von Heine
„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren,  und es ist mir, als müßte ich gleich nach Hause gehn.“

Im Heinrich-Heine-Institut kann man laut Angaben des Museums die weltweit einzige Dauerausstellung zum Leben und Werk des größten deutschen Dichters bestaunen. Der Schwerpunkt liegt auf der Entstehung seiner literarischen Werke. Zu den Exponaten gehören u.a. eine handschriftliche Fassung der „Loreley“ sowie eine Haarlocke des Dichters.

Unter dem Titel „Zeitenlese“ werden zudem Porträts namhafter AutorInnen, darunter  Isabel Allende, Umberto Eco, Nadine Gordimer, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Herta Müller und Martin Walser, präsentiert. Zusätzlich zu den Fotografien sind Zitate der AutorInnen angebracht. Mein Lieblingszitat:

wenn-ich-einen-glauben-hab-dann-glaube-ich-an-das-buch-2.png

Heinrich Heine ist des Weiteren auch Namensgeber der Düsseldorfer Universität.

Hier noch ein paar weitere Eindrücke meines Stadtrundgangs:

Das Wohnhaus von Clara und Robert Schumann
Das Wohnhaus von Clara und Robert Schumann
Der Burgplatz
Der Burgplatz
Städtetrip Düsseldorf
Am Rheinufer
Düsseldorfs Architektur
Eine architektonische Auffälligkeit
Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf
Das Heinrich-Heine-Institut
Heinrich-Heine-Institut
Das Heinrich-Heine-Institut

Die Summer School für Literaturübersetzen 2016

Die Summer School ist in zweistündige Workshops und Vorträge gegliedert. Besonders spannend fand ich den Vortrag zum Thema Pseudotranslation. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört, daher an dieser Stelle eine kurze Erklärung: Eine Pseudotranslation ist ein Text, der vom Verfasser als Übersetzung eines fremdsprachlichen Originals dargestellt wird, obwohl ein solches Original gar nicht existiert. Es ist ein Stilmittel, um einem Text mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Nach einigen theoretischen Ausführungen veranschaulichte der Vortragende Dr. Toremans den Begriff anhand einiger Beispiele, darunter Cervantes Don Quixote.

Am zweiten Tag konnte ich ausschlafen, da in der Früh der Spanisch-Workshop stattfand und ich kein Spanisch kann. Im Anschluss las der nigerianische Autor Elnathan John aus seiner Kurzgeschichte „Bayan Layi“ sowie dem später daraus entstandenen Roman Born on a Tuesday. Die Kurzgeschichte „Bayan Layi“ wurde im Rahmen eines Uni-Projektes von Studierenden des Masterstudiengangs Literaturübersetzen übersetzt. Zwei Studentinnen lasen auch Auszüge aus ihrer Übersetzung vor.

Anschließend fand mein persönliches Highlight, der Französisch-Workshop, statt. Anja Malich, selbst eine Absolventin des Diplomstudiengangs Literaturübersetzen in Düsseldorf, leitete den Workshop „’Tu fais comment les accents?‘ – Französische Kinder- und Unterhaltungsliteratur übersetzen“. Darin befassten wir uns mit den übersetzerischen Schwierigkeiten, die Kinder- und Jugendromane trotz der „leichten“ Sprache in sich bergen. Das war absolutes Neuland für mich und wirklich sehr spannend. Leider war mir der Workshop mit zwei Stunden zu kurz.

Abends bin ich dann in die Stadt gefahren, um mir das Frankreichfest anzusehen. Es gab dort alles, was das französische Herz begehrt: Crêpes und Galettes, Lillet und Lavendel und vieles mehr und: Es war ziemlich gut besucht.

Am Frankreichfest in Düsseldorf
Am Frankreichfest

Wir müssen reden. Dann klappt das mit uns.

Vive la France

Am dritten und letzten Tag fand morgens ein Koreanisch-Schnupperkurs statt, den ich jedoch nicht besuchte, sondern stattdessen gemütlich frühstückte und packte und dann zur zweiten Einheit, dem Workshop „Untertitelung von TV-Serien“, erschien. Dort erläuterte uns ebenfalls eine Absolventin des Masterlehrgangs Literaturübersetzen wie genau das Untertiteln von Filmen und Serien in der Praxis abläuft und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind (zum Beispiel die genaue Zeichenvorgaben für jede Zeile). Sie selbst hat u.a. schon Serien für Netflix übersetzt. Ich fand es richtig spannend, jemanden aus der Praxis kennenzulernen und Infos aus erster Hand zu erfahren sowie Fragen stellen zu können. Nach der Einführung durften wir dann selbst aktiv werden und eine Folge der koreanisch-amerikanischen Serie Dramaworld übersetzen. Auch das war eine sehr interessante Erfahrung. Wir haben dazu mit dem Untertitelungsprogramm Subtitle Edit gearbeitet und wurden selbst mit den Herausforderungen des Übersetzens, wie zum Beispiel der Zeichenbeschränkung, konfrontiert. Aber auch andere Übersetzungsprobleme kamen zutage. Wie übersetzt man beispielsweise „I love you“? Mit „Ich liebe dich“ oder „Ich mag dich“? Das muss je nach Kontext entschieden werden und man braucht dafür auch viel Gespür.

Das Schlusslicht bildete der Englisch-Workshop. Dabei übersetzen wir einen Auszug aus Terry Pratchetts Roman Going Postal.

Zum Abschluss erhielten alle TeilnehmerInnen eine Teilnahmebestätigung, auf der alle besuchten Workshops und Vorträge aufgelistet waren.

Details zur Summer School 2016 sowie das genaue Programm könnt ihr auch hier nachlesen.

Fazit: Die Summer School bietet die Möglichkeit, das Feld der Literaturübersetzung hautnah kennenzulernen. Die Workshops waren sehr spannend und es war insgesamt eine tolle Erfahrung. Ich kann die Summer School uneingeschränkt weiterempfehlen – vor allem dann, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich in diese Richtung weiterzuentwickeln. Zudem war es eine tolle Gelegenheit, die Stadt Düsseldorf kennenzulernen.

Du hast Fragen zur Summer School oder warst auch schon mal dort? Dann würde ich mich über einen Kommentar freuen! 🙂

 

 

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