Die Würfel sind gefallen oder: Ein Stück oberösterreichische Geschichte

Eines der Großereignisse des Theatersommers in Österreich: Das Frankenburger Würfelspiel. Noch nie davon gehört? Dann wird es höchste Zeit! Du hast schon davon gehört, es aber noch nie gesehen? Auch dann solltest du diesen Beitrag lesen. 😉

Beim Frankenburger Würfelspiel handelt es sich um ein historisches Volksschauspiel, das ein trauriges Kapitel oberösterreichischer Geschichte zum Inhalt hat: Als im Mai 1625 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – in Frankenburg ein römisch-katholischer Geistlicher eingesetzt werden soll, kommt es zum bewaffneten Aufstand der seit vielen Jahren evangelischen Bevölkerung. Die Rebellion wird jedoch nach drei Tagen wieder aufgegeben, da der bayerische Statthalter, Adam Graf von Herberstorff, Amnestie verspricht. Als sich die um Gnade Ersuchenden allerdings am Haushamerfeld einfinden, bricht der Statthalter plötzlich sein Versprechen und lässt 36 angebliche Rädelsführer paarweise um ihr Leben würfeln. Diese willkürliche Machtdemonstration, die den Schluss des Schauspiels bildet, war Auftakt zu den oberösterreichischen Bauernkriegen.

Durch die Aufführung führt ein Erzähler, dessen Dialekt und tiefe Stimmlage das Geschehen eindrücklich begleiten und untermauern.

Das Schauspiel findet alle zwei Jahre (immer in ungeraden Jahren) in Frankenburg am Hausruck (Oberösterreich) auf einer der (angeblich) größten Naturbühnen Europas statt. In der Mitte steht ein alter Lindenbaum, der eine grandiose Kulisse bietet.

Das Stück zeigt anschaulich, wohin Fanatismus und Intoleranz führen können und hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Bei den rund 500 DarstellerInnen sowie 300 StatistInnen handelt es sich übrigens gänzlich um LaienschauspielerInnen (fast ausschließlich Männer) sowie ehrenamtliche HelferInnen. Als „Entlohnung“ erhalten sie lediglich je einen 25-Euro-Essensgutschein.

Das Stück wird seit 1925 zweijährlich nach dem Roman „Der Bauerntod“ von Karl Itzinger aufgeführt. Viele Familien der Region sowie ganze Generationen sind mit dem Frankenburger Würfelspiel fest verbunden, vor allem aber die Frankenburger selbst. Über die Jahre waren mindestens 5.000 Personen am Stück beteiligt. Wenn man bedenkt, dass ganz Frankenburg 5.000 Einwohner hat, ist dies eine beachtliche Leistung.

Hier ist Tradition nicht das Anbeten von Asche, sondern das Weitergeben des Feuers“ – treffender (als Gustav Mahler) könnte ich es nicht ausdrücken.

Nun genug der Worte, lassen wir ein paar Bilder sprechen:

Und zum Schluss ein paar praktische Tipps und Infos:

Die Aufführungen beginnen jeweils um 20:30 Uhr und dauern rund 105 Minuten. Wir treffen ca. 1,5 Stunden vor Spielbeginn ein, was perfekt passt. Im Ortszentrum stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr lotsen uns zu einem freien Parkplatz. Von dort führt ein kurzer, markierter Weg (ca. 900 m) zur Natur-Freilichtbühne. Gemeinsam mit vielen anderen pilgern wir dorthin. Der letzte Abschnitt ist mit Holzspäne gesät.

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Festes Schuhwerk wird (laut Homepage) empfohlen. Wir haben allesamt geschlossene Sneaker an.

Der in Form eines Amphitheaters angelegte Zuschauerraum bietet für ca. 3.000 BesucherInnen Platz. An diesem Abend ist die Vorstellung ausverkauft.

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Der Zuschauerraum füllt sich langsam

Es herrscht freie Platzwahl. Soweit beurteilbar, sieht man von jedem Platz aus ungefähr gleich gut (je nachdem, wie groß man ist und wen man vor sich hat ;)).

Da das Sitzen auf den harten Bänken etwas unangenehm werden könnte, haben wir vorsichtshalber eine Decke zum Unterlegen mitgebracht. Auch warme Kleidung wird auf der Homepage des Würfelspiels empfohlen. Da wir jedoch einen der heißesten Tage des Jahres erwischen, benötigen wir die mitgebrachten Jacken und Pullover nicht.

Am Würfelspielgelände gibt es Sanitäranlagen, die selbst nach der Aufführung noch betretbar sind. 😉

Anfahrt: Für Nicht-Ortskundige empfiehlt sich ein Navigationsgerät, da Frankenburg erst  12 Kilometer vorher angeschrieben ist (und das Würfelspiel selbst erst in Frankenburg).

Ticketpreis: 17 € pro Person (für Erwachsene)

BesucherInnen, die nicht dialektkundig sind, können angeblich auf ein ausführliches Programmheft zurückgreifen (ich habe das jedoch nicht überprüft).

Fazit

Ein einprägsames und beeindruckendes Naturschauspiel, das man gesehen haben sollte. Für (Ober-)ÖsterreicherInnen Pflicht, für Dialektkundige empfehlenswert, für Kinder ab ca. 8 Jahren geeignet und für alle ein unvergessliches Erlebnis.

5 Kommentare zu „Die Würfel sind gefallen oder: Ein Stück oberösterreichische Geschichte

  1. Klingt super interessant. Geschichte interessiert mich ja eh immer 🙂 Dafür würde ich jetzt nicht extra nach Österreich reisen, aber ich behalte das mal im Hinterkopf. Ich habe es tatsächlich geschafft noch nie in Österreich gewesen zu sein und hab das fest fürs nächste Jahr eingeplant.

    LG Denise

    Gefällt 1 Person

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