Die Kinder von Kalangala – Entwicklungshilfe für Uganda

“What if the cure for cancer is trapped inside the mind of someone who can’t afford an education?” – unknown

Heute erzähle ich dir von Uganda, der „Perle Afrikas“, wie Winston Churchill das Land 1907 bezeichnete. Weißt du, wie die Hauptstadt heißt und wo dieses Land genau liegt? Ich wusste es ehrlich gesagt bis zum Zeitpunkt dieses Interviews nicht. Auch kannte ich bislang niemanden, der dort Urlaub gemacht hat bzw. schon mal dort war. Als ich erfahre, dass meine Arbeitskollegin mehrere Wochen in Uganda war, ergreife ich die Chance für ein ausführlicheres Gespräch. Dieses Gespräch hat mich so beeindruckt und inspiriert, dass ich dich heute gerne daran teilhaben lassen möchte.

Bbanga Project – Bildungshilfe für Uganda

Damit du nicht erst googeln musst, habe ich dir die Weltkarte hier reinkopiert:

Interview mit Sara, Obmann-Stellvertreterin von Bbanga Project:

Sara, ich hab‘ gehört, du warst in Uganda?! Was genau hast du dort gemacht? Ist ja doch eher ein ungewöhnliches Urlaubsziel …

Es war auch kein Urlaub. Ich betreue ein Entwicklungshilfeprojekt für Uganda und dafür reise ich etwa ein Mal pro Jahr nach Kalangala.

Wow, das klingt spannend! Bitte erzähl mir mehr davon!

Also, alles begann 2013, als ein Freund von mir, Sani, seinen Job gekündigt hat und nach Afrika gereist ist. One way. Im Zuge dessen kam er irgendwann nach Kalangala. Kalangala liegt auf den Ssese Islands am Vicotriasee. Dort machen „reiche“ Ugander Urlaub – also die, die es sich leisten können. Jedenfalls hat Sani dort einen kleinen Jungen auf einem Felsen mitten im Victoriasee ganz alleine fischen gesehen. Der Junge, Gideon, war damals etwa fünf Jahre alt. Sie kamen mittels Übersetzer ins Gespräch und fuhren später zu dessen Familie.  Dort hat Sani dann Gideons Mutter zur Rede gestellt, weshalb sie ihren kleinen Sohn mitten im Victoriasee aussetzt et cetera. Dazu muss man außerdem wissen, dass Gideon zudem nicht mal schwimmen konnte!

Schlussendlich hat Sani dann mit der Mutter vereinbart, dass er ihr monatlich Geld schickt, dafür muss sie Gideon in die Schule schicken. Als Beweis lässt ihm Eddie, der damalige Übersetzer und heutiger Co-Founder von Bbanga Project, Kopien der Schulzeugnisse zukommen. Ja, und das war, auch wenn er es damals noch nicht wusste, der Startschuss fürs Bbanga Project.

Diese Felsen, die im Viktoriasee hervorstehen und auf dem auch Gideon stand, heißen übrigens „Bbanga“. Daher auch der Name für das Projekt.

Das Projekt entstand also zufällig?

Ja, komplett! Als Sani dann wieder zurück in Österreich war, hat er seinen Freunden und Bekannten von Gideon und seinen Erlebnissen vor Ort erzählt und viele wollten ebenfalls helfen und eine Patenschaft für ein Kind in Uganda übernehmen. Irgendwann waren sie dann zu siebt. Seit etwa zweieinhalb Jahren bin ich mit an Bord. Und heute sind wir um die dreißig!

Ich finde das total schön, weil es zeigt, was ein Einzelner, in diesem Fall Sani, bewirken kann. Was zunächst also wie ein Tropfen auf dem heißen Stein aussieht, kann zu etwas richtig Großem werden. Genial!

Ja, total!

Magst du mich vielleicht kurz auf die Reise mitnehmen? Was hat sich seit der Gründung alles getan? Welche Projekte konntet ihr schon umsetzen? Was konntet ihr bisher bewirken und erreichen?

Wir haben schon vieles erreicht, aber es gibt dennoch noch so viel zu tun. Seit 2017 haben wir den NGO-Status in Uganda. Dieser war sehr schwer zu kriegen und wir sind sehr stolz darauf!

Inzwischen sind wir etwa 30 Freiwillige. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und machen das nebenbei, also neben dem Vollzeitjob oder Studium. Wir haben ein Büro in Kalangala und auch zwei Mitarbeiter vor Ort.

Via Facebook haben wir letztes Jahr eine Sammelaktion für Kinderschuhe gestartet, bei der schlussendlich genug Geld übrig blieb, um allen Patenkindern und ihren Familien eine Gesundenuntersuchung vor Ort zu finanzieren – HIV-Tests inklusive. Vom Augenarzt über Zahnarzt bis hin zu Parasiten- und Pilzuntersuchungen war alles dabei. Diese Checks waren freiwillig. Auch musste uns niemand sagen, was bei den HIV-Tests rauskam, nur von den Kindern wissen wir den Status.

Bbanga Project Hiflprojekt Afrika Gesundheitschecks
Viele Projekte wurden bereits realisiert, wie beispielsweise Gesundheitschecks. © Milan Amini Photography

Und?, frage ich erwartungsvoll.

Alle negativ. Keines der Kinder ist HIV positiv.

Als Sara das ausspricht, leuchten ihre Augen.

Das hätten wir nicht erwartet, da ja viele der Mütter HIV-infiziert sind. Wir waren so glücklich.

Wow, das ist echt toll!

Obwohl jeder Zweite in Uganda HIV-positiv ist, ist es nach wie vor ein Tabuthema. Viele schämen sich und gehen nicht zu den lokalen Gesundheitszentren, aus Angst, dabei gesehen zu werden, dabei würde eine Tablette pro Tag reichen, um das Virus im Zaum zu halten … Aber HIV-positiv zu sein bedeutet, stigmatisiert zu sein. Es ist daher ein großes HIV-Aufklärungsprojekt geplant, an dem ich auch gerade arbeite.

Unser aktuellstes Projekt ist ein Schulbau. Der Architekturplan steht schon, nur leider fehlt uns noch die Finanzspritze.

Obwohl Kalangala auf einer Insel liegt und viele dort vom Fischfang leben, können die meisten Ugander nicht schwimmen und haben daher panische Angst vor dem Wasser. Wir bieten daher auch Schwimmkurse an.

Bbanga Project Bildungshilfe für Afrika_Schwimmkurse
Auch Schwimmkurse bietet das Bbanga Project an. © Milan Amini Photography

Wie darf ich mir deinen Alltag vor Ort vorstellen?

Wir spielen viel mit den Kindern, geben ihnen Wasser und Essen, verteilen die mitgebrachten Kleidungsstücke und Spielsachen, organisieren Impfungen und Gesundheitschecks … Ein Mal führte ich ein Interview mit den Kindern. Dabei stellte ich jedem Kind dieselben Fragen, darunter: Was ist dein größter Wunsch? Was möchtest du mal werden? Auf die erste Frage antwortete eines der Kinder: „Ich wäre gerne weiß.“ Mit so einer Antwort rechnest du natürlich gar nicht. Ich war sprachlos.

Sprachlos bin auch ich … Als ich meine Sprache wiedergefunden habe, frage ich:

Wie bereitest du dich eigentlich auf diese Reisen vor? Ich nehme an, dass einige Impfungen vorab notwendig sind, oder?

Ja, es sind circa 8 Impfungen, darunter Tollwut, Tetanus und Hepatitis. Uganda ist außerdem ein Malarialand. Die Malariaprohylaxe habe ich aber sehr schlecht vertragen. Die gehen so auf die Leber … und machen depressiv. Ich habe sie daher nur bei meiner ersten Reise genommen.

Aber hattest du denn gar keine Angst vor den ganzen Krankheiten?

„Nein“, antwortet sie ohne zu zögern.

Es folgt eine kurze Pause. Ich bewundere ihren Mut sehr. Dann durchbricht sie das Schweigen und setzt fort:

Klar muss man aufpassen und man sollte nicht naiv sein, aber Berührungsängste darf man keine haben. Es ist wichtig, sich mit den Krankheiten und Gefahren auseinanderzusetzen und sich auszukennen. Circa 50 Prozent der Bevölkerung ist HIV-positiv, das heißt, es ist dort ganz normal. Selbst in Kinderbüchern wird dieser Umstand thematisiert. Auch viele der Kinder sind sehr krank, haben beispielsweise Tuberkulose oder andere Krankheiten, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden.

Aber ist das dann nicht recht anstrengend und behindernd beim Spielen mit den Kindern beziehungsweise generell im Umgang mit ihnen?

Wie gesagt muss man die Gefahren immer im Hinterkopf haben, aber die Kinder sind so herzig, wollen ständig bei dir sein, hängen an dir … Da bringst du es nicht übers Herz, sie nicht zu umarmen oder nicht mit ihnen zu spielen. Ich habe mir halt ständig die Hände desinfiziert. (Sara lacht)

Ich finde das sehr mutig. Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde …Wie geht es dir jetzt, wo du wieder in Österreich bist? Inwiefern haben dich die Reisen nach Kalangala verändert?

Ich brauche Urlaub! (Sara lacht) Es war nämlich definitiv keine erholsame Reise, gesteht Sara offen, aber es gibt für mich nichts Schöneres, als diese Kinder aufwachsen zu sehen. Außerdem kommt man zurück und schätzt vieles wieder so, wie beispielsweise sauberes Wasser aus der Leitung. Wir leben hier einfach im Luxus, während die Menschen in Kalangala so extrem arm sind.

Bbanga Project Kalangala Bildungshilfe für Uganda
Die Kinder von Kalangala – Wem würde da nicht das Herz dahinschmelzen? © Milan Amini Photography

Ich halte kurz inne und bin dankbar. Dankbar, in einem Land wie Österreich geboren worden zu sein. Dankbar für das saubere Wasser, das täglich in Hülle und Fülle einfach aus der Leitung kommt. Dankbar für die medizinische Versorgung, die ich hier in Österreich genießen darf. Dankbar für die Bildung, die ich erhalten habe. Dankbar.

In Gedanken bin ich noch lange bei Gideon und den anderen Kindern.

VIELEN HERZLICHEN DANK AN SARA für dieses Gespräch und vor allem für die Zustimmung, dass ich dieses Gespräch hier auf meinem Blog veröffentlichen darf. DANKE!!

Nachtrag: Im Nachgang dieses Interviews habe ich mich entschieden, mit einem kleinen monatlichen Betrag den Kinder in Kalangala eine bessere Zukunft zu ermöglichen. ❤

Über das Bbanga Project

Das Bbanga Project ist im Jahr 2014 von einer einer Gruppe junger ÖsterreicherInnen entstanden. Aufgabe des Projekts ist es, auf Augenhöhe nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit zu leisten, indem Kindern der Zugang zur Schulbildung gewährleistet und die Qualität der Einrichtungen verbessert werden.

Die UganderInnen bezeichnen mit dem Begriff „Bbanga“ die Felsen im Viktoriasee auf denen die Kinder stehen, um zu fischen.

Du möchtest das Bbanga Project unterstützen? Dann hast du vielzählige Möglichkeiten:

Hier kannst du dich zudem über aktuelle Projekte informieren und auch diese unterstützen!

Du hast Fragen zum Projekt oder möchtest direkt mit den OrganisatorInnen in Kontakt treten? Hier die Kontaktdaten:

(Sani) Hassan Hayatbakhsh, MSc
Tel.: +43 (0) 676 60 49 556; +43 (0)676 93 12 744
E-Mail: office@bbanga-project.org
presse@bbanga-project.org
Website: www.bbanga-project.org

Spenden an Bbanga Project sind von der Steuer absetzbar!
Bankempfänger: Bbanga Project
IBAN: AT16 2011 1826 3946 9200
BIC:GIBAATWWXXX
oder: Kontonummer: 826 394 692 00
BLZ: 20111
Wehlistraße, 1200 Wien, AUT

Du findest du das Bbanga Project außerdem auch auf Instagram und Facebook!


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Beitragsbild: © Milan Amini Photography


verlinkt mit Soulsister meets friends

2 Kommentare zu „Die Kinder von Kalangala – Entwicklungshilfe für Uganda

  1. Ja ich weiss von was Sara spricht, ich habe schon viele Jahre Patenschaften in Uganda. Meine Freundin geht alle Jahre ihre Projekte von FHSuisse in Uganda, Burundi und Ruanda besuchen. Ja ich weiss wie wichtig und Notwendig die Unterstützung vor Ort ist. Schön, dass du auch eine Patenschaft hast.
    L G Pia

    Gefällt 1 Person

  2. Hey Julie !
    Gratuliere für diesen interessanten Artikel. Meine Frau und ich hatten selber zwei Projekte 2013 und 2015 in Simbabwe laufen und es ist erschreckend ,das das Land selbst, solche Dinge nicht zustande bringt. Im Gegenteil wenn man helfen will ,muss man noch Hürden und Bürokratie ,mit Schmiergeld Forderungen überwinden.

    Wir sind auch aus Wien und haben auch einen Travel-Blog, wir wollen mit unseren Motorrädern die Welt erkunde und sind derzeit 5 Monate auf Europatour. Wir freuen uns wenn du mal reinschaust. Liebe Grüße aus Norwegen Stefan
    http://www.time2ride.at

    Gefällt 1 Person

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