Marillenblüte in der Wachau: Lohnt sich ein Ausflug?

 

In die Wachau musst fahren, zur Marillenblüte“, hams g’sagt. „Des is a Traum!“, hams g’sagt. Was mir jedoch niemand g’sagt hat: dass es heillos überfüllt ist und man keinen Parkplatz bekommt. Aber von vorne.

Seit Jahren schon steht die Marillenblüte in der Wachau auf meiner Bucket List. Seit Jahren schon träume ich davon, dieses Blütenmeer lustwandelnd zu durchschreiten. Immer jedoch war ich zur Blütenzeit entweder im Ausland oder anderweitig verhindert. Bis gestern. Endlich, der langersehnte Frühlingsausflug in die Wachau stand bevor. Ich war aufgeregt und konnte es kaum erwarten. Auf zahlreichen Seiten im Internet schwärmen Leute von diesem wunderschönen Naturspektakel. Nun endlich würde ich es auch live erleben.

Vor dem Wegfahren habe ich nochmal die Wachauer Webcam gecheckt: alles in voller Blüte.

Wenn wir ehrlich sind: Der Ausflug hatte schon schlecht begonnen und stand quasi schon unter einem schlechten Omen. Da der Ring (= die Ringstraße) wegen eines Radevents gesperrt war, standen wir nämlich eine geschlagene Stunde mitten in Wien im Stau. Die Stimmung war dann zwar schon etwas getrübt, ich war mir jedoch sicher, dass das wunderschöne Spektakel, das mich in der Wachau erwarten würde, alle zuvor erlebten Strapazen wettmachen werde. Dann die erste Ernüchterung in Angern. Kein Parkplatz weit und breit und Millionen Menschen. Der Marillenblütenwanderweg zog im wahrsten Sinne des Wortes an mir vorbei.

Etwas enttäuscht, aber noch motiviert, zückte ich mein Handy und suchte spontan nach einem Ersatzziel. Dieses war schnell gefunden: Rossatz. Marillenmeile klingt mindestens genauso gut wie Marillenwanderweg, fand ich.

Rossatz ist eine kleine Ortschaft mit knapp über 1.000 Einwohnern und wir standen – ja, genau – erneut im Stau. Ich bin noch nie mitten in einem Dorf dieser Größe im Stau gestanden. Natürlich gab es auch in Rossatz weit und breit keinen freien Parkplatz. Die Autos standen überall. Jede noch so kleine Lücke würde als Parkplatz zweckentfremdet. Die Straßenränder waren auch über das Ortsgebiet hinaus von Autos gesäumt. Wer einen SUV hat, war hier klar im Vorteil, konnte er doch auch auf abschüssigem Gelände parken.

Wir jedoch folgten anschließend, schon etwas entnervt und mutlos, ziellos dem Straßenverlauf Richtung Melk in der Hoffnung, doch noch irgendwo entlang der Donau einen Platz zum Abstellen für unser Auto zu finden. Vergebens.

So saßen wir insgesamt 4 Stunden (!) bei traumhaft schönem Frühlingswetter (!) im Auto ohne auch nur ein Bild von den Wachauer Marillenblüten gemacht zu haben. Hätten wir doch die Bahn genommen.

Gerne hätte ich dir an dieser Stelle nun wunderschöne Bilder gezeigt, von der Vollblüte und der geplanten Wanderung. Gerne hätte ich dir einen tollen Ausflugstipp präsentiert. Aber empfehlen kann ich den Trip in die Wachau zur Marillenblütenzeit wahrlich nicht oder zumindest nur sehr eingeschränkt.

Falls unser Beispiel für dich nicht abschreckend genug war und du unbedingt einen Ausflug zur Marillenblüte in die Wachau unternehmen möchtest, gebe ich dir nachstehend einige wertvolle Tipps mit an die Hand.

Tipps für deinen Ausflug zur Marillenblüte in die Wachau

  • Reise unbedingt öffentlich an! Dies ist nicht nur umweltschonend, sondern erspart dir auch, wie oben beschrieben, stundenlanges vergebliches Parkplatzsuchen sowie die Enttäuschung, unverrichteter Dinge wieder abreisen zu müssen.
  • Selbst wenn du öffentlich anreist, musst du dir jedoch im Klaren sein, dass du dieses Spektakel nicht für dich alleine hast, sondern mit sehr vielen anderen Menschen teilen musst.
  • Reise am besten schon in der Früh an. Da sind vermutlich noch nicht so viele Leute unterwegs.
  • Es kann sich lohnen, nicht direkt zur Vollblüte anzureisen, sondern eventuell schon ein paar Tage vorher.
  • Reise, wenn möglich, nicht am Wochenende an. Wir waren an einem Sonntag dort und es war alles heillos überfüllt.
  • Sei dir im Klaren, dass abgesehen von den Marillenbäumen, zu dieser Jahreszeit noch nichts blüht und die Landschaft daher insgesamt eher trostlos und karg aussieht.

Fazit

Ich finde es zwar sehr schade, dass dieses Ausflugsziel schon so überlaufen ist, aber selbst wenn wir einen Parkplatz gefunden hätten, muss ich sagen, dass ich insgesamt etwas enttäuscht von der Marillenblüte an sich war. Dieses Event wird leider extrem gehypt. Es blühen nur vereinzelt ein paar Felder, insgesamt jedoch sieht die Wachau Anfang April natürlich noch sehr kahl aus. Der Begriff „Vollblüte“ bezieht sich in diesem Fall nur auf die Marillenbäume und die sind geografisch sehr begrenzt angebaut. Wir kommen lieber im Sommer wieder,  wenn alles blüht und schön grün ist.

Nachtrag: Dass meine hier beschriebene Erfahrung mehr als nur eine individuelle Empfindung ist, belegt der Beitrag Besuchermassen zur Marillenblüte in der Wachau von ServusTV.

Warst du schon mal zur Marillenblüte in der Wachau? Wenn ja, welche Erfahrungen hast du gemacht? Wie waren deine Eindrücke? Oder hast du schon mal ähnliche Erlebnisse gehabt? Ich freue mich auf deine Gedanken zu diesem Beitrag!


18 Kommentare zu „Marillenblüte in der Wachau: Lohnt sich ein Ausflug?

  1. Oje, das tut mir ja leid, dass ihr so einen verpatzten Sonntag hattet! Ich war vor vielen Jahren mal in der Wachau und fand das damals eigentlich schon sehr schön. Ich kann mich auch nicht an soooo viele Leute erinnern. Vielleicht ist das grad so ein Hype oder ihr hattet einfach Pech…?
    Liebe Grüße, Christina

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  2. Meistens ist es leider so, dass solche Ausflugsziele total überfüllt sind. In Holland sind es die Blumenfelder und in Österreich eben die Marillenbäume. Vielleicht hast du nächstes Jahr, ja nochmal die Gelegenheit dorthin zu reisen und kannst dann mit den öffentlichen entspannter dort ankommen.

    Liebe Grüße, Milli
    (https://www.millilovesfashion.de)

    Gefällt 1 Person

  3. Das ist aber auch wirklich großes Pech, war aber vorhersehbar. Vollblüte, schönes Wetter und Wochenende. Da fallen viele hundert Reisegruppen aus halb Europa in die Wachau ein. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist zu dieser Zeit jedoch auch alles andere als komfortabel. Die massenverkehrstauglichen Züge fahren nur bis Krems und bei den Bussen muss man dann stets bangen, ob man mitkommt, falls man weiter hinten in der Schlange steht. Ich persönlich würde auch nicht mehr an einem Wochenende wegen der Blüten in die Wachau fahren.
    Lg Bernhard

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  4. Hm, ich hab auch mal einen Beitrag über die Marillenblüte verfasst für einen Kunden. War aber nie dort….Schade, dass die schönsten Destinationen oft so überlaufen sind. Ich war jetzt auch voll auf deine Bilder gespannt – naja, beim nächsten Mal wieder 😉

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  5. Hallo Julie,
    da geht es wohl so zu wie bei und zur Mandelblütenzeit. Welch Enttäuschung für euch. Das nächste Mal dann mit der Bahn oder ein anderes Ziel. Der Marillenlikör schmeckt ja echt lecker und habe ich immer aus dem Winterurlaub mitgebracht.
    Liebe Grüße Caro

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  6. Das ist ja witzig – wir waren am Samstag auf der Marillenmeile und waren sehr positiv überrascht, wie wenig los war! Alle paar Minuten hat man Mal 2 Spaziergänger am Weg getroffen, aber alles in allem fanden wirs total entspannt, Parkplatz in Rossatz gab’s sofort und auch beim Heurigen war ein Tisch frei. Wir sind gegen 14:30 aus Rossatz losgestartet, dann Richtung Rührsdorf zum Heutigen und wieder retour. Es war ein toller Tag. Hm, das liest sich jetzt ganz anders als bei dir :-)).

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  7. Hallo Julie, ich finde deinen Bericht und dass du deiner Enttäuschung über den Kommerz rund um die Marillenblüte Ausdruck gibst Klasse. J das ist schade – andererseits: Kann man es den Leuten verdenken? Die Blüten sind soooo schön, liebe Grüße Bettina

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  8. Liebe Julie, schade, dass dein Sonntagsausflug nicht optimal verlaufen ist. Hier wird auch ordentlich Werbung gemacht und ja, dann kommen viele Leute. Ganz ehrlich, ich meide solche Massenveranstaltungen mittlerweile und würde eine Wanderung abseits, mit blühenden Wildblumen viel mehr genießen. alles liebe angelique

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